So fördert die TUM Nachhaltigkeit

Vom Nachhaltigen Bauen über Intelligente Energiesysteme bis hin zu Politik- und Sozialwissenschaften: An der TUM ist Nachhaltigkeit in der Lehre zentral verankert. In interdisziplinären Forschungsverbünden entwickeln Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nachhaltige, technologische Innovation für die Gesellschaft der Zukunft. Was alles konkret an der TUM in Sachen Nachhaltigkeit passiert, sehen Sie hier auf einen Blick.

1. Task Force für Nachhaltigkeit

Eine aufregende Neuentwicklung an der TUM ist die Entscheidung von Präsident Thomas F. Hoffmann eine Task Force für Nachhaltigkeit einzurichten. Die Task Force bereitet einen Plan vor, wie die TUM ihre bereits gut ausgebaute Forschung und Lehre in diesem Bereich weiter stärken kann. Wichtig wird eine Kartierung bestehender Aktivitäten in den Bereichen Lehre, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Entwicklung erster Schritte, mit denen die TUM selbst ihren ökologischen Fußabdruck verringern kann.

Die Leitung der neuen Task Force hat TUM-Professorin Miranda Schreurs vom Lehrstuhl für Environmental and Climate Policy übernommen. Sie stellt die Themenfelder vor, die jetzt für die TUM wichtig sind.

Nachhaltigkeit in die TUM und in die Gesellschaft tragen

Als technologieorientierte Universität ist die TUM gut positioniert, um eine führende Rolle im Bereich Nachhaltigkeit einzunehmen. Deshalb wollen wir in Zukunft sowohl auf dem Campus der TUM als auch zwischen der TUM und externen Akteuren wie der Politik, der Zivilgesellschaft und der Industrie neue Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit initiieren. Interdisziplinarität und breite Beteiligung werden für die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie von entscheidender Bedeutung sein. Es ist wichtig, dass die neu eingerichtete Stabsstelle Nachhaltigkeit uns als zentrale Schaltzentrale bei der Koordinierung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsaktivitäten unterstützt.

Spezialgebiete am jeweiligen Campus bündeln

Jeder TUM-Campus verfügt über spezielle Bereiche, die zum Thema Nachhaltigkeit beitragen können. Der TUM Campus Garching könnte ein Labor für Nachhaltigkeitstechnologien werden. Der TUM Campus Straubing wird in der Bioökonomie führend sein. Am TUM Campus München soll der Schwerpunkt auf Projekten liegen, die Technologie, Politik und Gesellschaft verbinden zum Beispiel für städtische Nachhaltigkeit. Der TUM Campus in Weihenstephan nimmt schon jetzt eine Vorreiterrolle in Bezug auf Nachhaltigkeit in Landwirtschaft, Wissenschaft und Ressourcenplanung ein. Der TUM Campus in Heilbronn hat ein enormes Potenzial in Bezug auf die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit in den Betrieb der Universität integrieren

Auch im Hinblick auf ihr Betriebs- und Gebäudemanagement ist der TUM Nachhaltigkeit wichtig. Sie setzt auf energetische Sanierung, Energie-Monitoring und die Verwendung von Ökostrom. Innerhalb der letzten Jahre konnte damit eine deutliche Reduzierung des Energieverbrauchs erreicht werden. Bereits heute zählt der Campus Garching der TUM mit mehr als 15.000 Studierenden und 3.500 Mitarbeitern zu den größten Universitätsstandorten in Deutschland. Hält das Wachstum der letzten Jahre an, wird in naher Zukunft eine Neuausrichtung der Energieversorgung erforderlich sein. Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekts CleanTechCampus ein innovatives Energiekonzept entwickelt werden, welches die Integration der bestehenden sowie neu hinzukommenden Gebäudestruktur in eine hocheffiziente Versorgungs- und zunehmend regenerative Erzeugungsstruktur realisiert.

2. Nachhaltigkeit in der Forschung

An der TUM wird in vielfältigen Zukunftsfeldern im Bereich der Nachhaltigkeit geforscht. Da Nachhaltigkeit nicht an den Grenzen eines Forschungsgebiets endet, ist der überwiegende Teil der Forschungsprojekte interdisziplinär aufgestellt. Diese interdisziplinäre Arbeit ist an der TUM bereits grundlegend verankert und auch institutionalisiert, beispielsweise in den integrativen Forschungszentren TUM Institute for Advanced Study, Munich School of Engineering und Munich Center for Technology in Society. Dort arbeiten Wissenschaftler verschiedener Fakultäten mit internationalen Spitzenforschern zusammen.

Drei Beispiele

Der Amazonas-Regenwald speichert große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid. Rodungen, Landwirtschaft und steigende Temperaturen bringen diese Fähigkeit des tropischen Waldes an eine Grenze. Es ist unklar, wie lange der Wald noch eine Kohlenstoffsenke bleibt. Professorin Anja Rammig vom Lehrstuhl für Land-Surface-Atmosphere Interactions arbeitet in einem internationalen Team mit anderen Forschern daran, diese Frage zu beantworten. Für ihre Untersuchungen verwendet sie modellgestützte Analysen in Kombination mit Beobachtungsdaten. Mithilfe der Modelle werden zukünftige Ökosystemveränderungen regional und global abgeschätzt und Managementstrategien für Klimaschutz und Klimaanpassung entwickelt.

Professor Francis Kéré vom Lehrstuhl Architectural Design and Participation beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Strategien für klimatisch angepasstes Bauen. Er ist weltweit für seine innovativen Entwürfe bekannt, in denen er traditionelle Baumaterialien mit moderner Ingenieurtechnik vereint. Über die Fachgrenzen hinaus findet er Anerkennung für seine ökologisch nachhaltige Architektur, die sich den Naturverhältnissen und Lebensgewohnheiten der Nutzer anpasst.

Die Forschungsschwerpunkte von Professorin Miranda Schreurs vom Lehrstuhl für Environmental and Climate Policy liegen auf dem Gebiet der internationalen und vergleichenden Klima-, Energie- und Umweltpolitik. Sie erforscht unter anderem die Energiewende in Japan und Deutschland, die Klimapolitik in Europa, den USA und Asien und setzt sich mit politischen Fragen zur Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen auseinander. 2011 wurde sie von Kanzlerin Angela Merkel als Mitglied der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung berufen.

Hoch hinaus

Auf 1.262 Höhenmetern im Wald oberhalb von Berchtesgaden erforscht die TUM in der TUM Forschungsstation Friedrich N. Schwarz das Ökosystem der Alpen, insbesondere die große Vielfalt an Lebensräumen im Nationalpark Berchtesgaden. In Kombination mit dem Schneefernerhaus auf der Zugspitze deckt die Forschungsinfrastruktur der TUM damit alpine Höhenlagen bis zu knapp 3.000 Metern ab. In der Bildungsforschung werden in Berchtesgaden Konzepte erprobt, wie erfolgreicher naturwissenschaftlicher Schulunterricht aus der Naturbeobachtung entsteht. Die Erkenntnisse werden unmittelbar in die Lehramtsstudiengänge der TUM einfließen. Die dreigeschossige Forschungsstation funktioniert mit Regenwasseraufbereitung, einer biologischen Kläranlage und Photovoltaik weitgehend autark. Finanziert wurde der Neubau von der TUM Universitätsstiftung, benannt ist er nach einem ihrer Mäzene: TUM Alumnus Friedrich N. Schwarz war Student der Elektrotechnik an der TUM und hat anschließend Unternehmenskarriere gemacht.

TUM Sustainability Award

Ganz neu eingeführt an der TUM wurde 2019 der TUM Sustainability Award. Damit zeichnet der Präsident innovative Forschungsarbeiten aus, die entscheidend zur ökologischen Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft beitragen können. Erster Preisträger ist Professor Dr. Thomas Brück vom Werner Siemens-Lehrstuhl für Synthetische Biotechnologie. Er erhielt die Auszeichnung für seine bahnbrechende Forschung unter anderem am Algentechnikum der TUM. Die dort untersuchten Algen erzeugen nicht nur Biosprit, sondern aus ihnen lassen sich auch sehr effizient Carbonfasern herstellen.

Zusammenarbeit in Wissens- und Innovationsgemeinschaften

Die TUM arbeitet mit so genannten EIT-KICS an der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln (EIT FOOD), entwickelt nachhaltige Mobilitätskonzepte (EIT Urban Mobility) und innovative Maßnahmen, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen (Climate-KIC). Die Wissens- und Innovationsgemeinschaften, KICs, sind rechtlich selbstständige Partnerschaften aus Hochschulen, Wissenschaftsorganisationen, Unternehmen und anderen Interessenvertretern, die auf EU-Ebene ausgewählte Zukunftsthemen von gesellschaftlicher Relevanz behandeln. Hierzu entwickeln die beteiligten Partner neue Produkte, Ausbildungskonzepte oder Dienstleistungenund befruchten die Gründungsszene in Europa.

Neue Schwerpunkte für den Klimaschutz

Im Jahr 2006 gründete die TUM zusammen mit der Technischen Universität Dänemarks die EuroTech Universities Alliance. Heute verbindet die Allianz als strategische Partnerschaft sechs der besten Technischen Universitäten in Europa: Danmarks Tekniske Universitet, Technische Universiteit Eindhoven, École Polytechnique Fédérale de Lausanne, École Polytechnique, The Technion – Israel Institute of Technology und die TUM.  Gemeinsam haben sie sich zum Ziel gesetzt, technische Lösungen für die großen Herausforderungen der modernen Gesellschaft zu finden. Seit 2015 liegt ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit darauf, mit intelligenten, bahnbrechenden Technologien einen Beitrag für den Umweltschutz in der neuen digitalen Welt zu leisten. Für die Realisierung des Vorhabens setzen die TUM und ihre Partneruniversitäten auf die  Schwerpunkte: Nachhaltige Gesellschaft, KI für technische Systeme und Additive Fertigung.

3. Nachhaltigkeit in der Ausbildung

Das Thema Nachhaltigkeit ist an der TUM in allen 15 Fakultäten in Forschung und Lehre verankert. Der Bogen spannt sich dabei vom Nachhaltigen Bauen (Architektur), über Wasserbau und Landnutzung (Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt), über Intelligente Energiesysteme (Elektrotechnik und Informationstechnik), Materialforschung und Kraftanlagen (Maschinenwesen), Energiekonversion (Chemie und Physik) bis hin zu Gesundheit und Prävention (Medizin sowie Sport- und Gesundheitswissenschaften) und gesellschaftlichem Dialog (TUM School of Governance).

Drei Beispiele

Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs Ingenieurökologie sind Experten für Ökosystemmanagement. Durch das Studium werden sie dazu befähigt, Landnutzungskonflikte und Wirkungen der Landnutzungen auf Ökosysteme zu erkennen und interdisziplinäre Umweltplanungen zu entwickeln und zu leiten. Der interdisziplinäre Masterstudiengang Sustainable Resource Management am Wissenschaftszentrum Weihenstephan widmet sich dem nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen Boden, Wasser, Luft und biologischer Vielfalt. Der Master Consumer Science an der TUM School of Management bildet zum Experten im Bereich Verbraucherforschung aus: Seine Absolventen analysieren, wie Verbraucher Entscheidungen treffen und welche Variablen beispielsweise nachhaltigere Entscheidungen fördern.

4. Studentische Initiativen

Studierende der TUM engagieren sich in zahlreichen Projekten, Initiativen und Vereinen – von der studentischen Unternehmensberatung bis zur Entwicklungszusammenarbeit. Dabei setzen sie sich vielfach auch für nachhaltige Schwerpunkte ein und gestalten ihre eigene Zukunft aktiv mit. Die Studierenden wenden ihr Wissen aus dem Studium an und erproben dabei sogar oft unternehmerisches Denken und Handeln. Freundschaften und Netzwerke in Europa und auf der ganzen Welt entstehen.

Drei Beispiele

Das Referat für Umwelt der Studentischen Vertretung der TUM organisiert zahlreiche Projekte rund um Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Ein Highlight ist die Ringvorlesung Umwelt, die in diesem Jahr bereits zum 70. Mal stattfindet. Referentinnen und Referenten aus Forschung, Naturschutzverbänden und Unternehmen informieren über technischen Umweltschutz, Gesundheit sowie Verbraucher- und Klimaschutz (siehe S. XX). Zudem haben die Studierenden eine Vision 2030 entwickelt, in welcher sie eine grüne Campusgestaltung und eine energieautarke Uni fordern: https://asta-umweltreferat.fs.tum.de/?page_id=2330

Das Green Office am TUM Campus in Straubing wird von Studierenden für Studierende betrieben und dient als Plattform und gemeinsamer Nenner für nachhaltigkeitsinteressierte Studierende und Mitarbeiter an Universitäten. Sie verbessert und vereinfacht die Kommunikation bestehender Initiativen, koordiniert Projekte, vernetzt Akteure und Akteurinnen und setzt selbst neue Impulse.

Bei Ingenieure ohne Grenzen entwickeln Studierende mit Alumni und anderen berufserfahrenen Ingenieuren gemeinsam nachhaltige Konzepte für eine bessere Strom- und Wasserversorgung weltweit. Der aktuelle Tätigkeitsschwerpunkt liegt im Bereich der erneuerbaren Energien mit speziellem Fokus auf photovoltaischen Anwendungen. Die Projekte finden derzeit in Afrika statt. Neben der technischen Ausarbeitung der Anlagen steht die Entwicklung eines schlüssigen, effektiven und praktikablen Konzeptes zur Nachhaltigkeit der durchgeführten Projekte im Vordergrund.