Der Präsident zum Thema: Mit gutem Beispiel voran

Es ist nun fast drei Jahrzehnte her, dass sich auf der Konferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro Staaten aus der ganzen Welt erstmalig auf Ziele für eine nachhaltigere Entwicklung und mehr Klimaschutz einigten. Sie gilt heute als Meilenstein in der Integration von Umwelt- und Entwicklungsbestrebungen. Das war 1992: Ich selbst hatte gerade mein Studium der Lebensmittelchemie abgeschlossen und befand mich auf dem Weg nach München an die TUM, wo mir ein spannendes Promotionsprojekt in der Chemie-Fakultät angeboten worden war. Ich erinnere mich, dass Themen rund um Umweltschutz und Nachhaltigkeit als gesellschaftliches Anliegen mehr und mehr in den Fokus der chemischen Forschungsarbeiten rückten und begannen sich von einer unscheinbaren Randnotiz im politischen Geschehen hin zu einem gesellschaftlichen Anliegen zu entwickeln. Vieles hat sich seither verändert: Das Schlagwort Nachhaltigkeit ist heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen und ich bin überzeugt, dass sich unsere Universität künftig stärker daran messen lassen muss, was wir als Vordenker der Gesellschaft für deren nachhaltige Entwicklung tun – auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene – und wie wir zur Erreichung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen beitragen. Als Präsident der TUM, seit Oktober 2019 im Amt, war es mir von Beginn an wichtig, Nachhaltigkeit als Leitmotiv in unserer zukünftigen Entwicklungsagenda zu verankern.

Weil wir das Potential haben

Wir verstehen es als unsere gesellschaftliche Verpflichtung als eine der besten technischen Universitäten Europas, mit unserer Forschung und innovativen Technologieentwicklungen zur Gesunderhaltung unseres Planeten und des Zusammenlebens der Menschen beizutragen. Dazu haben wir das notwendige Potential. Wir beschäftigen Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus aller Welt, die in interdisziplinären Teams und mit hochkarätiger Ausstattung wahre Innovationen auf den Weg bringen. Als einzige Universität hat die TUM Elektromobile für verschiedene Klimazonen auf drei Kontinenten und mit unterschiedlichen Nutzungskonzepten für verschiedene Klimazonen fahrfertig entwickelt. Am TUM Campus Straubing für Biotechnologie & Nachhaltigkeit erforschen wir die effiziente Nutzung biogener Rohstoffe in der chemischen, werkstofflichen sowie der energetischen Verwertung als Beitrag zu einer nachhaltigen Rohstoff- und Energie-Bereitstellung. Wir arbeiten an der katalytischen Umwandlung von CO2 in Methan und chemische Wertstoffe wie Spezialchemikalien, Wirkstoffe und Polymere. An der Munich School of Engineering kooperieren Architekten und Bauingenieure zum Thema Nachhaltiges Planen und Bauen, da im Bausektor erhebliche CO2-Einsparungen realisierbar sind. Wir untersuchen den Einfluss des Klimawandels in den Alpen auf dem Schneefernerhaus auf der Zugspitze. In Berchtesgaden erforschen die TUM und der Nationalpark das Alpen-Ökosystem in Zeiten des Klimawandels. Darüber hinaus arbeiten wir in EU-geförderten Wissens- und Innovationsgemeinschaften zur nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln, entwickeln nachhaltige Mobilitätskonzepte und innovative Maßnahmen, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Und soeben haben wir eine Stabstelle für nachhaltige Entwicklung an der TUM neu eingerichtet, um das Thema Nachhaltigkeit auf hochschulzentraler Ebene zu verankern, unsere Organisations- und Campusentwicklung selbstkritisch zu reflektieren und Entwicklungspotentiale aufzugreifen. Wissenschaftspioniere, die umweltschonend Technologieinnovationen, soziale Verantwortung und unternehmerisches Handeln miteinander verbinden zeichnen wir seit dem letzten Jahr mit dem TUM Sustainability Award aus. Sie sind weithin sichtbare Vorbilder für nachkommende Forschergenerationen.

Gestalter der Zukunft

Die Zukunft gehört der jungen Generation – unseren Studierenden! Deshalb denken wir Nachhaltigkeit in allen unseren Studiengängen mit. Der Bogen spannt sich dabei vom Nachhaltigen Bauen, über Wasserbau und Landnutzung, über Intelligente Energiesysteme, Materialforschung und Kraftanlagen, Energiekonversion bis hin zu Gesundheit und Prävention und Politik- und Sozialwissenschaften. Über 40.000 Studierende waren im Wintersemester 2019/20 bei uns eingeschrieben, rund 9.000 hervorragend ausgebildete Absolventinnen und Absolventen nehmen jedes Jahr ihr Bachelor- oder Masterzeugnis in Empfang und bringen ihre Kompetenzen und Talente in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ein. Sie gestalten unsere Zukunft.  Daher ist es unser moralisches Mandat, diese junge Generation mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten, mit denen sie für unsere Welt und die Menschheit nachhaltige Entscheidungen treffen können.

Sie werden den weitsichtigen und verantwortungsvollen Alumni folgen, die ihre technische Expertise bei der Entwicklung umweltfreundlicher und ressourceneffizienter Innovationen einbringen, „grüne“ Unternehmen gründen, die energieeffizient arbeiten, sich in der Forschung und in politischen Gremien engagieren, an der Datenerhebung zur Berechnung von Nachhaltigkeitsszenarien arbeiten und vieles mehr. Als global verantwortete Weltbürger leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und sind im Rahmen unseres TUM Netzwerks Vorbilder und Ratgeber für uns alle.

Gemeinsam können wir das lösen

Zentrales Ergebnis der Konferenz von Rio de Janeiro war 1992 die sogenannte Agenda 21. Grundlegend ist der Gedanke, dass sich eine nachhaltige Entwicklung nur in der Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren unserer Gesellschaft und in der Welt erzielen lässt. Schaue ich heute auf die TUM, bin ich stolz, wie sehr wir dieses Prinzip bei uns bereits leben und wie groß die Bereitschaft der ganzen Universitätsgemeinschaft ist, zusammen unsere Zukunft zu gestalten. Zahlreiche Aufgaben liegen vor uns, das wissen wir. Aber gemeinsam packen wir sie an – weil wir es können!