Stabwechsel mit gemeinsamer Vision

Ein Interview mit TUM-Präsident Thomas F. Hofmann und Präsident Emeritus Wolfgang A. Herrmann

Stabwechsel: Nach 24 Jahren als Präsident der Technischen Universität München übergibt Wolfgang A. Herrmann sein Amt an Thomas F. Hofmann. Der renommierte Naturstoff- und Lebensmittelchemiker war zehn Jahre lang Geschäftsführender Vizepräsident für Forschung und Innovation an der TUM. Seit über einer Dekade arbeiten die beiden TUM Alumni bereits gemeinsam an der Vision, die TUM zu einer der besten Universitäten weltweit zu machen. Im Interview erzählen sie, wie sie einander kennengelernt haben, welche Herausforderungen das Präsidentenamt bietet und warum ihnen die TUM persönlich so viel bedeutet.

Professor Herrmann, 1995 sind Sie Präsident der TUM geworden. Im selben Jahr hat Professor Hofmann seine Promotion an der TUM abgeschlossen. Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung erinnern?

Wolfgang A. Herrmann (WH): War das so? Wirklich? Ist das schon so lang her? (lacht)

Thomas F. Hofmann (TH): Aber ja! Während ich promoviert habe, warst Du noch Dekan der Chemie, meiner damaligen Fakultät.

WH: Wir sind zwar beide Chemiker, aber die Fakultät war damals schon sehr groß. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich Dir über den Weg gelaufen bin. Außerdem haben wir von der Anorganischen Chemie uns mit den Lebensmittelchemikern eher weniger beschäftigt (lacht). Ich habe aber an der Berufung von Professor Peter Schieberle mitgewirkt, dem Doktorvater von Thomas. Die Lebensmittelchemie an der TUM war schon immer sehr stark, das heißt, er kommt aus einer sehr guten Schule, ohne Frage. Aber so richtig bewusst geworden ist er mir erst später. Ich hörte, es gäbe einen ganz jungen Professor in Münster, der bei uns promoviert hat und nun einem Ruf an die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich folgen will.

Und damit war Ihr Ehrgeiz geweckt, Professor Hofmann abzuwerben?

WH: Ich habe mich noch etwas über ihn informiert, wo er herkommt, was er bisher gemacht hat. Dann habe ich herausgefunden, dass er familiär in Freising verwurzelt ist, und wollte es unbedingt versuchen. Ich habe gesagt: Diesen Zugvogel fangen wir auf dem Weg von Münster nach Zürich in München ab. So haben wir es dann auch gemacht. Er erhielt ein sehr attraktives Angebot und fantastische Entwicklungsperspektiven. So wurde er kurzerhand gewonnen, ein großer Glücksfall. Und schon nach zwei Jahren wurde er Vizepräsident.

Professor Hofmann, zu dieser Zeit hatten Sie bei der ETH in Zürich eigentlich schon so gut wie unterschrieben. Warum sind Sie dennoch an der TUM gelandet?

TH: Als der Anruf aus München kam, war ich schon überrascht. Die Lebensmittelchemie hatte hier damals einen Lehrstuhl, der aber besetzt war. Und an der ETH hatte ich in der Tat schon ausverhandelt und stand kurz vor der Unterzeichnung. Also habe ich kurzum meinen Urlaub abgebrochen und bin nach München gefahren. Es stellte sich heraus, dass das Angebot der TUM großartig war. Zudem hat mir Professor Herrmann ein beachtliches Entwicklungskonzept für die Lebensmittelchemie an der TUM präsentiert. Im Handumdrehen hat er für mich einen neuen Lehrstuhl eingerichtet. Aber am meisten beeindruckt hat mich die herausragende Konstellation an potentialreichen Kooperationspartnern in München. Das hat mir gut gefallen und war besser als an der ETH.

WH: Zu Beginn meiner Präsidentschaft hatten wir ja schon begonnen, den Gesamtbereich der Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften tiefgreifend zu reformieren – gegen anfänglich massive Widerstände. Ich wollte aus den Weihenstephaner Fakultäten ein Zentrum entwickeln, das sich mit der Frage beschäftigt, wie wir die Menschheit der Zukunft ernähren können und wollen. Also haben wir die Ernährungswissenschaften, die Agrar- und Umweltwissenschaften in Weihenstephan zusammengefasst und mit der Ernährungsmedizin und der Lebensmitteltechnologie noch die Mediziner und die Ingenieure einbezogen. Die Biologie wurde nach Weihenstephan verlagert und verstärkt. Das war tiefgreifend, aber sehr erfolgreich. Bald konnte man auch von außen sehen, dass die Dinge hier auf einem guten Weg sind. Was macht eine Universität attraktiver als Entfaltungsmöglichkeiten über die klassischen Fächergruppen hinaus. Das ist zur großen Stärke der TUM geworden.

Was meinen Sie damit genau?

WH: Für die Professoren, die zu uns kommen, geht es ja in der Regel nicht darum, ob sie die eine oder andere Assistentenstelle zusätzlich bekommen. Das war früher vielleicht einmal so und ist mittlerweile ein alter Hut. Eine Universität muss entwicklungsfähig sein, denn die guten Leute, die besorgen sich ihr Geld schon. Drittmittel gibt es in Hülle und Fülle überall.

TH: Und was bringt es einem, wenn man alleine der Größte ist, aber keinen Kooperationspartner hat, mit dem man sich auf wissenschaftlicher Augenhöhe austauschen kann? Und gerade darauf kommt es an, wenn man die Grenzen des Wissens überkommen und die Universität strategisch fortentwickeln will.

WH: Genauso ist es.

TH: Und das gilt für alle Professuren. Herausragende Wissenschaftler ändern in der Regel ihre Forschungsschwerpunkte und Arbeitsmethoden oder erweitern diese durch schlagkräftige Kooperationen mit anderen Disziplinen. Wer nicht so flexibel ist, landet irgendwann auf dem Abstellgleis. Hingegen sind Neugier, gedankliche Flexibilität und Lernfähigkeit essentielle Elemente wirklich bahnbrechender Durchbrüche. Deshalb sind das kooperative Umfeld und die Infrastruktur einer Universität so wichtig.

WH: Und man kann nur langfristig erfolgreich sein, wenn man eine eigene Forschungslinie hat, wenn man einem Forschungsfeld seine Handschrift aufprägt. Dann bleibt man als kreativer Wissenschaftler auch interessant für Wirtschaft und Industrie. Wenn man sich als verlängerte Werkbank der Industrie missbrauchen lässt, ist man bald nix mehr wert.

Diese Dynamik an der TUM hat Sie also besonders angezogen, Professor Hofmann. Haben Sie denn in Münster überhaupt etwas mitbekommen von dem neuen Präsidenten in München?

TH: Das habe ich schon mitbekommen, als ich noch an der TUM war und hier habilitierte.

WH: Ehrlich?

TH: Ja, da warst Du schon umtriebig (lacht). Ich kann mich noch an die Antrittsrede erinnern, bei der Du Deine Motivation und Deine großen Ambitionen verkündet hast. Das hat mir schon imponiert.

WH: Und als Präsident habe ich mich gleich von Beginn an gehörig unbeliebt gemacht mit der Umgestaltung in Weihenstephan (lacht).

TH: Ich war damals noch in der Garchinger Chemie, da haben wir von Weihenstephan nicht viel gespürt. Aber über den Türen in der Chemie, wo Du ja zuvor Dekan warst, klebte der Spruch: „At home in Bavaria, successful in the world.“ Da dachte ich mir: Der Präsident ist ein cooler Typ. Wirklich, das hat mir gefallen. Aber als ich dann als junger Lehrstuhlinhaber mit 32 Jahren nach Münster kam, fand ich dort leider das Gegenbeispiel vor.

Wie war Münster im Vergleich zur TUM?

TH: Die Chemiefakultät in Münster war eine stattliche Fakultät, wissenschaftlich gut, tolle Kollegen, die sich sehr für die Chemie engagiert haben. Aber gesamtstrategisch war die Universität Münster eher von einer gewissen Lethargie geprägt. Es gab keine universitäre Entwicklungsstrategie, kaum neue Ansätze, um Hürden des deutschen Akademia zu überkommen, und es gab auch keine internationalen Benchmarks. Ich war der erste, der dort 2002 ein Forschungsprojekt mit einer US-amerikanischen Firma gemacht hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Universität nicht mal einen englischsprachigen Vertrag – den ersten Vertrag der Universität habe ich dann selbst geschrieben. Im direkten Vergleich mit der TUM war Münster zu wenig selbst aktiv, nicht ausreichend handlungsfähig, ohne Ansporn, die Universität zukunftsfähig zu machen. Dazu entwickelte sich die TUM schon ganz anders. Und so muss es auch sein, wenn man an die Spitze will!

Am 30. September haben Sie, Professor Herrmann, das Präsidentenamt an Professor Hofmann übergeben. Können Sie sich noch an Ihre eigene Ernennung erinnern?

WH: Ja, natürlich. Wir sind ins Ministerium gefahren – meine ganze Familie und ich. Die war damals schon sehr groß. Meine Mutter war auch noch dabei, wir waren also recht viele Leute. Wir haben draußen vor dem Büro des damaligen Wissenschaftsministers Hans Zehetmair gewartet. Plötzlich geht die Tür einen Spalt auf, und der Zehetmair schaut raus, dann hat er die Tür schnell wieder zugemacht. Die Sekretärin hat ihm dann gesagt, dass wir warten. Es stellte sich heraus, er dachte, wir wären die russische Delegation, die für 14 Uhr angekündigt war, weil wir so viele waren (lacht).

Wieso war es Ihnen wichtig, Ihre ganze Familie zur Ernennung mitzunehmen?

WH: Wenn man Präsident ist, ist die ganze Familie in dieses Amt eingebunden. Die Kinder sind teilweise in der Schule damit geärgert worden, dass man mich einen „Atomfuzzi“ genannt hat, weil ich den Forschungsreaktor für Garching auf den Weg gebracht hatte. Einmal stand ein Paparazzo auf der Straße und hat unser Privathaus fotografiert. Das sind die gar nicht so lustigen Schattenseiten des Amtes, und die muss man gemeinsam aushalten.

TH: Ich kann das nur unterstreichen. Ich habe zwei großartige Kinder und eine tolle Frau, ohne die ich soweit nie gekommen wäre. Die Unterstützung von Zuhause habe ich glücklicherweise immer gehabt. Nur ein Dummkopf trifft eine solche Entscheidung, als Präsident anzutreten, ohne seine Familie. Denn dieser Job infiltriert alle Lebensbereiche.

WH: Es ist eine besondere Herausforderung, aber auch die schönste Aufgabe der Welt.

Was ist denn Ihre Hauptmotivation, Professor Hofmann? Warum wollen Sie Präsident der TUM sein?

TH: In den letzten zehn Jahren als Vizepräsident habe ich gesehen, wie unglaublich toll sich diese Universität entwickelt hat. Wir stehen heute auf einem Level, wo wir auch international mitspielen. Ich komme viel in der Welt herum. Viele Spitzenuniversitäten in der Welt transformieren sich mit enormer Geschwindigkeit. Nur wenn wir uns nicht stehen bleiben und ständig Maß an der Welt nehmen, wird die deutsche Akademia auch morgen noch attraktiv für unsere Studierenden und Kooperationspartner sein. Wir dürfen uns nicht ausruhen, sondern müssen jeden Tag aufs Neue immer wieder prüfen, wo die Entwicklungsmöglichkeiten und zukünftigen Chancen für uns liegen, und mit inhaltlichen und strukturellen Maßnahmen  die Universität darauf ausrichten. Freunde des Status Quo werden morgen abgestiegen sein. Deshalb liegt mir so viel daran, als neuer Präsident die TUM mutig und nachhaltig in neue Höhen zu führen, aber auch um uns um die Verantwortung verdient zu machen, die die Universität in Ausbildung und Innovation in mitten einer modernen Gesellschaft hat.  

Wie war das damals bei Ihnen, Professor Herrmann?

WH: Ich wollte die Aufgabe eigentlich gar nicht übernehmen (lacht). Ich war glücklich dort, wo ich war: erfolgreicher Chemiker, zufrieden in meinem Fach. Ich hätte es gewiss viel leichter gehabt, wenn ich geblieben wäre, wo ich war.

Und warum sind Sie dennoch Präsident geworden?

WH: Als Dekan war ich Mitglied im Hochschulsenat. Da habe ich Berufungsvorgänge erlebt, die waren unter aller Kanone. Interdisziplinarität, Internationalität und Wettbewerbsfähigkeit haben überhaupt keine Rolle gespielt. Das war, sagen wir mal, ein Club der Betulichkeiten, und das ist mir als jungem Professor auf den Keks gegangen. Ich habe da oft harsche Kritik geübt, und in Mehrheiten mit Studierenden und Assistenten haben wir auch Berufungslisten gekippt. Als das rum war, habe ich mir geschworen, diese ineffiziente Art der „Hochschulselbstverwaltung“ anderen zu überlassen.

TH: Oha, ist das Dein Ernst?

WH: Ja. Aber irgendwann kamen dann immer mehr Leute auf mich zu. Die haben gesagt, wenn man so viel kritisiert, dann muss man sich auch in die Pflicht nehmen lassen. Und das habe ich nach einigem Zögern auch gemacht. Es war eigentlich ein Sich-in-die-Pflicht-nehmen-lassen für eine bessere Universität. Ich habe eingesehen, dass Reden alleine nicht genügt. Aber ich habe mir auch geschworen: Vier Jahre und keinen Tag länger, dann habe ich meine Pflicht getan.

Daraus sind 24 Jahre geworden.

WH: Nachdem ich erstmal im Amt war, begann die Reformpolitik, angetrieben vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der ganz auf mich setzte. Die ist aber nicht auf Gegenliebe gestoßen. Ich hatte von Anfang an viel Gegenwind. Viele dachten wohl: „Der junge Präsident, der lernt auch noch, wie es hier läuft.“ Die wollten das aussitzen. Aber wir haben durchgehalten und starke politische Unterstützung gehabt. Wir waren diejenigen, die die guten Ideen hatten. Wir haben beispielsweise mit unserem Campus in Garching eine Strukturpolitik in Gang gesetzt, die uns gerade im Augenblick  mit anderer Motivation noch einmal zu neuen Ufern aufbrechen lässt. Die TUM ist jetzt in einem riesigen Aufschwung, und in Garching haben wir auch die räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die wir nun brauchen. Wir sind eine unternehmerische Universität geworden, und das war mein Ziel von Anfang an.

Welche Bedeutung hat das Präsidentenamt für Sie?

WH: Es ist auf jeden Fall nicht das wichtigste. Wissen Sie, der kreative handwerklich begabte Mann an der Drehbank in einer unserer Werkstätten, der ist genauso wichtig wie der Professor. Es ist die Vielheit der Talente, die die TUM ausmacht. Und darum wollte ich auch immer diese Vielheit gefördert wissen. Aber nicht nach dem billigen Gießkannenprinzip, sondern talentgerecht. Der Erfolg der TUM, das ist nicht der Präsident, sondern das ist eine große motivierte Gemeinschaft.

Und für Sie, Professor Hofmann?

TH: In den letzten 24 Jahren wurden großartige und tiefgreifende Reformen an der TUM durchgeführt. Einen Teil davon habe ich selbst erlebt und aktiv mitgestaltet. Doch unser Potential ist noch nicht ausgeschöpft, vor allem auch deshalb, weil immer wieder neue Herausforderungen auf uns zukommen. Ich bin stolz, dass ich nun noch entscheidender dazu beitragen kann, die TUM noch besser zu machen. Wir wollen die TUM stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken und an die Weltspitze kommen.

Gibt es denn einen Moment aus Ihrer Präsidentschaft, Professor Herrmann, den Sie sich gerne einrahmen würden?

WH: Mei, da gibt es ja so viele. Zum Beispiel als wir 2002 unsere TUM Dependance in Singapur eröffnet haben. Da stand ich vor dem Gebäude der National University of Singapur, das eine wunderbare Auffahrt hat, mit der Amtskette um den Hals als Präsident einer deutschen Universität. Die hochrangigen Gäste sind vorgefahren, und es waren acht Botschafter dabei – acht! Die sind zu unserer Eröffnung gekommen. Und dadurch bekommt man schon das Gefühl, dass man irgendetwas richtig gemacht hat, obwohl das für die deutsche Denke völlig als ausgeflippt erschien, was wir da angefangen haben.

Inwiefern?

WH: Das Ministerium hier hat durchgedreht. Meinten, das ginge nicht, und ich sei doch für München zuständig. Aber wir haben uns unsere eigene Rechtskonstruktion für TUM Asia ausgearbeitet, mit der das möglich war. Das war ein schönes Erlebnis: mit bayerischer Amtskette in Singapur, als bayerischer Löwe.

Noch weitere Erinnerungen?

WH: Natürlich auch gewisse Begegnungen mit Stiftern, zum Beispiel mit Klaus Tschira – Gott hab‘ ihn selig. Er hat uns Millionen gegeben, damit wir den Uhrenturm der TUM renovieren und in ein repräsentatives Zentrum umgestalten konnten. Der Turm ist doch das Symbol der TUM, war aber leider jahrzehntelang vergammelt. Pünktlich zu unserem 150. Gründungsjubiläum letztes Jahr ist der Turm in neuem Glanz erstrahlt. Das hat mich persönlich zutiefst gefreut.

Apropos Glanz: Im Juli wurde die TUM zum dritten Mal in Folge zur Exzellenzuniversität gekürt. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung?

WH: Die Auszeichnung ist das Ergebnis einer konsequenten Reformarbeit über mehrere Jahrzehnte. Sie ist ein Werk der gesamten Universitätsgemeinschaft, und das macht mich glücklich. Diese dritte Exzellenzinitiative hat zum wiederholten Mal gezeigt, dass Leistung die Menschen nicht spaltet, sondern verbindet.

TH: Ja, und eben diese Gemeinschaftsleistung von Studierenden, Wissenschaftlern, des wissenschaftsstützenden Personals, der Emeriti, Alumni, Kooperationspartner, Stifter und Freunde hat das Gutachterpanel bei der Verteidigung unseres Zukunftskonzeptes mehr als überzeugt. Und jetzt müssen wir liefern – als Gemeinschaft.

WH: Insgesamt haben wir, wie ich glaube, ein Konzept vorgelegt, welches einzigartig in der deutschen Universitätslandschaft ist. Nicht zu vergessen: Die Exzellenzinitiative macht die Zeugnisse, auf denen ein TUM-Stempel ist, noch einmal wertvoller für jeden Absolventen, der hier raus- und ins Berufsleben hineingeht. Er nimmt dieses Gütesiegel – die „Marke TUM“ mit, ganz egal welchen Beitrag er auch immer geleistet hat, aber es ist seine Universität.

Genauso wie es Ihre und die von Professor Hofmann ist. Sie sind beide Alumni. Wie wichtig ist denn für die TUM ein internationales und interdisziplinäres Alumni-Netzwerk? Und warum?

TH: Die unterschiedlichen Begabungen, Expertisen, Erfahrungen und weltoffene Denkweise machen unsere 81.000 Alumni zu wertvollen „Global Citizens“ und Markenbotschaftern in der Welt. Frühzeitig haben wir daher begonnen, ein lebendiges Alumni-Netzwerk aufzubauen. Und aufbauen heißt nicht, irgendwo verstaubte Akten über unsere Studierenden zu sammeln. Sondern das bedeutet, dass wir einen engagierten Austausch mit den Alumni weltweit pflegen. Jedes Jahr kommen bei unserer Adventsmatinee 5.000 Alumni, Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen, tauschen sich aus, frischen alte Freundschaften auf und schließen neue. Die TUM pflegt einen Lebensbund mit ihren Absolventen, die wiederum ihre Erfahrungen zum Wohle nächster Generationen an die TUM zurückbringen.

Was kann man sich das vorstellen?

TH: Langfristig erfolgreiche Alumni sind Studierende ein Leben lang. Globale Arbeitsmärkte wandeln sich rasant und stellen immer neue Anforderungen an Arbeitnehmer und damit auch an unsere Alumni. Als moderne und verantwortungsvolle Universität ist es unser neues Mandat, dass wir unsere Alumni immer wieder an ihre TUM zurückholen, sie fortbilden, um sie ein Leben lang beruflich wettbewerbsfähig zu halten. Life-Long Learning wird in der Zukunft das Profil der TUM fruchtbar erweitern.

Professor Herrmann, jetzt, wo Sie Ihr Büro für Ihren Nachfolger räumen: Sind Sie da ein bisschen wehmütig?

WH: Nein, gar nicht. Und ich werde mir sehr wahrscheinlich hier in der Nähe noch einen schönen Platz an der TUM suchen. Aber ich gehe aus dem Weg, das ist ganz wichtig. Zu einem erfolgreichen Menschen gehört die saubere Regelung der Nachfolge. Das schaffen viele nicht, weil sie denken, einen besseren als sie gibt es nicht. Und das ist natürlich ein Schmarrn. Neue Herausforderungen erfordern neue Talente.

Wie halten Sie denn ab sofort Kontakt?

TH: Das wird ganz undogmatisch gehen. Viele stellen sich den Austausch zwischen uns komplizierter vor als er ist. Es wird telefoniert oder gesimst, manchmal gehen wir gemeinsam Abendessen und tauschen uns aus. Ist doch gut. Warum sollten wir das nicht mehr tun?

WH: Das musst Du entscheiden, wie Du es willst, Thomas. Du bist der Chef.