Werner Mang: „Auf Äußerlichkeiten lege ich wenig Wert.“

TUM Alumnus und Professor Dr. Werner Mang, Facharzt für HNO/Plastische Operationen, ist einer der bekanntesten ästhetischen Chirurgen Deutschlands. Seit seiner Assistenzarztzeit am Universitätsklinikum rechts der Isar der TUM umgibt er sich gerne mit Prominenten und ist ein Liebling der Medien. Trotzdem lässt sich der Mediziner von den Meinungen anderer nicht aus der Ruhe bringen. Als Pionier in seinem Fach entwickelte er erfolgreiche Methoden der ästhetisch-rekonstruktiven Chirurgie, die mittlerweile weltweit eingesetzt werden. Als Unternehmer baute er eine höchst erfolgreiche Klinik am Bodensee auf. Im Alumni-Magazin spricht er über die eigene Impulsivität, den Mut für unkonventionelle Entscheidungen und seine Pläne für den Ruhestand. 

KontakTUM: Herr Professor Mang, eine der größten Fachkliniken für plastisch-ästhetische Chirurgie in Europa steht nicht in München oder Hamburg, sondern in Lindau am Bodensee. Woher kommt Ihre Heimatverbundenheit?

Prof. Dr. Werner Mang: Familie – das kann hier die einzige Antwort sein.

Meinen Sie damit Ihre eigene Familie?

Ja. Ich glaube, wenn man kein glückliches Elternhaus hat, dann hat man es schwerer als andere. Aber mein Elternhaus am Bodensee war tiptop. Meine Mutter hat uns mit Liebe aufgezogen. Mein Vater war streng, aber ein großes Vorbild. Er war Forstdirektor und stellvertretender Landrat, politisch sehr aktiv, hat das Bundesverdienstkreuz erhalten, eine anerkannte Persönlichkeit also. Bis ich 18 Jahre alt war, wusste ich praktisch nicht, was ein Problem ist.  Höchstens meine Griechisch-Schularbeit, vor der ich nachts oft Schlafstörungen hatte. Sonst habe ich das Wort „Problem“ nicht gekannt. Aber ich war kein einfacher Junge.

Inwiefern?

Ich habe schon immer meine eigene Meinung gehabt. Mein Vater hat das gefördert. Er hat mich Fehler machen lassen und dann gesagt: „Schau, das hätte man anders machen können.“ Ich bin ein Alphatier und ein Querkopf, aber ich kann Ungerechtigkeit nicht akzeptieren. In der Grundschule galt es unter den Buben als schick, die Mädchen zu ärgern. Da machte ich natürlich mit. Wenn es einer meiner Kameraden allerdings zu weit trieb, schlug ich mich sofort auf die Seite der Mädchen und trat für diese ein. Kurz vor dem Abitur ging es sogar so weit, dass ich einen Lehrer, der einen Mitschüler völlig zu Unrecht eine Ohrfeige gegeben hatte, im Gegenzug ebenfalls schlug. Das hätte mich das Abitur kosten können.

Würden Sie sich selbst als impulsiven Menschen bezeichnen?

Ganz klar: ungeduldig, impulsiv, teilweise aufbrausend. Ich war schon immer sehr eigenwillig und unbequem, habe ganz klar meine Ziele verfolgt, auch wenn es manchmal schief gegangen ist. Was wichtig ist: Ich bin nie nachtragend. Ich entschuldige mich, wenn ich einen Fehler gemacht habe.

Nach dem Abitur haben Sie sich dazu entschieden, Medizin in München zu studieren. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Der Auslöser für mich war der Unfall eines Mitschülers, den ich beobachtete. Er fuhr mit dem Fahrrad von der Schule nach Hause, ich hinter ihm. Er bog vom Waldweg auf die Straße ein und wurde von einem Auto angefahren. Er fiel direkt auf sein Gesicht. Die Nase war zerschmettert, die Wangen aufgerissen. Ich fragte mich, wie groß seine Chancen wären, jemals wieder so auszusehen, wie vor dem Unfall, und beobachtete fasziniert, wie der Notarzt kam und den Jungen fürs erste versorgte. Das war mein Schlüsselerlebnis. Als ich meinem Vater von dem Entschluss berichtete, Chirurg zu werden, konnte ich spüren, dass er stolz auf mich war.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Studienzeit im Universitätsklinikum rechts der Isar der TUM?

Schon immer war es mein Wunsch, an der Technischen Universität München zu studieren. Sie ist für mich wie München: kosmopolitisch, bodenständig, international, geerdet, traditionsbewusst, innovativ, leistungsorientiert und trotzdem sehr menschlich. Ein Sprungbrett für alle Studierenden. Ich habe hier die schönsten Jahre meines Lebens verbracht – Promotion, Facharztausbildung, Habilitation, Professur. Manchmal gehe ich nachts durch das Universitätsklinikum und denke an die wunderbare Zeit zurück. Mein Sohn ist mittlerweile auch Alumnus der TUM. Er hat allerdings Architektur studiert. Die TUM ist unser beider geistige Heimat.

Haben Sie noch Kontakt zu Kommilitonen oder Professoren der TUM?

Wir waren vier Musketiere, die sich zum medizinischen Staatsexamen gefunden haben. Mit dreien habe ich noch Kontakt, einer ist leider frühzeitig verstorben. Gerade letzte Woche habe ich außerdem mit Professor Edgar Biemer zusammen operiert, der früher am Universitätsklinikum rechts der Isar die Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie geleitet hat. Er war bei mir in Lindau, und wir hatten eine schwere Brustrekonstruktion. Er hat mir erzählt, dass er nächste Woche 80 Jahre alt wird. Da dachte ich: „Toll. Dann kann ich auch noch zehn Jahre operieren“ (lacht).

Ihre Facharztzeit verbrachten Sie in Lindau und an der LMU, kamen aber 1982 als Oberarzt an das Universitätsklinikum der TUM zurück. 1988 wurden Sie zum Professor berufen.

Ja, dazwischen habe ich in der Poliklinik in Großhadern gearbeitet, aber ehrlich gesagt, war die Sehnsucht nach dem Universitätsklinikum rechts der Isar immer da. Auf einem Kongress in Seattle lernte ich Professor Werner Schwab kennen. Er war Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und warb mich für die Gesichtschirurgie ab. Ich fühlte mich zwar meinen Mentoren in Großhadern verpflichtet, aber die Möglichkeit war zu verlockend. Am Universitätsklinikum der TUM habe ich dann die Unfallchirurgie im Gesicht an der HNO-Klinik geleitet.

Trotzdem haben Sie zwei Jahre später München den Rücken gekehrt und eine Privatklinik in Lindau am Bodensee eröffnet. Warum?

Weil ich keinen Chef mehr haben wollte. Ich wollte alleinverantwortlich arbeiten. Ohne Wenn und Aber, und ohne jemanden über mir. Das war mein Traum. Das hieß aber, dass ich in Lindau mit nichts anfangen musste. Ich habe mit drei Leuten eine kleine Klinik aufgemacht. Ein medizinisches Start-up, wenn Sie so wollen. Ich habe mit vier Betten angefangen, dann waren es acht Betten, irgendwann zehn. Mittlerweile habe ich ungefähr 60 Mitarbeiter und wir machen über 2.500 Behandlungen jährlich.

Wäre eine Forscherkarriere nichts für Sie gewesen?

Nein, weil ich mit Leib und Seele Praktiker bin. Ich liebe das Operieren. Das einzige, was mich forschungstechnisch sehr interessiert hätte, wäre die Transplantationschirurgie gewesen. Ich meine, die komplette Gesichtstransplantation nach Unfällen oder Tumoren, die mittlerweile ja technisch machbar ist. Dafür braucht man natürlich eine große Klinik und Forschung und Immunologie und so weiter. Aber ich habe einen anderen Weg eingeschlagen: ästhetisch-plastische Chirurgie, selbstständig, mein eigener Chef, Unternehmer.

Was gefällt Ihnen so an der ästhetischen Chirurgie?

Angefangen habe ich in der Bauchchirurgie, aber wenn man einem Patienten den Blinddarm rausnimmt, da sieht man hinterher keine Veränderungen. Wenn man allerdings jemanden nach einem Unfall wieder zusammenflickt, dann sieht man das Ergebnis sehr deutlich. Das ist für mich die Belohnung für meine Arbeit.

Würden Sie sich selbst als Ästheten bezeichnen?

Ich bin nicht der Prototyp eines eitlen ästhetischen Chirurgen, wenn Sie das meinen. Meine Frau muss mich oft darauf hinweisen, dass ich mir einmal wieder neue Sachen kaufen sollte. Auf Äußerlichkeiten lege ich wenig Wert.

Trotzdem sind Sie in Deutschland vor allem als Schönheitschirurg bekannt. Was machen Sie denn in Ihrer Klink am Bodensee?

Ich bin kein Botox-Mann.  Rund 30 Prozent unserer Operationen sind kosmetisch, sonst medizinisch rekonstruktiv. Wir haben verschiedene Oberärzte, die das ganze Gebiet abdecken: Brust-, Bauch-, Beine- und Gesichtschirurgie. Bekannt bin ich ja für meine Nasen-Chirurgie.

Warum gerade Nasen?

Da gab es auch ein Schlüsselerlebnis. 1985 kam der Schauspieler Götz George zu uns in die Klinik.  Er hat sich bei der Aufzeichnung eines „Tatort“ nicht doubeln lassen und erlitt eine furchtbare Nasenfraktur. Nach der Operation sah er besser aus als vorher (lacht). Die Zeitung schrieb darüber und druckte ein Foto von mir daneben ab. Das machte mich bekannt und nach und nach kamen immer mehr Prominente zu mir.

Wo ziehen Sie die Grenze bei kosmetischen Operationen?

Ich bin gegen diese aufgespritzten Silikonlippen, das lehne ich ab; auch wenn jemand eine Taille wie Victoria Beckham haben will, dass man also die siebte Rippe rausschneidet, oder Brustimplantate bei Männern, die aussehen wollen wie Arnold Schwarzenegger zu seinen besten Zeiten. Das sind die Dinge, wegen denen die ästhetische Chirurgie einen so negativen Beigeschmack hat. Die ästhetisch-plastische Chirurgie ist eine wertvolle Chirurgie, wenn man sie sauber macht. Höcker, Langnasen, abstehende Ohren, Schlupflider, Tränensäcke, Brustaufbau nach Krebschirurgie: Wir können Patienten helfen.

Zu Ihrem Job gehört es offenbar auch, dass Sie ab und an von Kollegen und den Medien angegriffen und kritisiert werden. Macht Ihnen das nichts aus?

Vieles, was ich gemacht habe, war eine Pionierleistung und ich habe dafür den Kopf hingehalten. Als ich zum Beispiel Oberarzt war, gab es noch keinen Facharzt für Plastische Chirurgie. Deshalb bin ich ja HNO-Arzt mit dem Zusatz Plastische Operationen. Ich habe damals die ästhetische Chirurgie aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Als ich das erste Lifting am Universitätsklinikum rechts der Isar gemacht habe, hätte mich das damals meine Laufbahn als Ordinarius kosten können, als so unanständig wurde das angesehen. Ich brauchte Mut, um meinen Weg zu verfolgen. Und je weiter man nach oben kommt, umso dünner wird die Luft. Das ist normal. Für mich gilt das Prinzip des Boxkampfes: Wenn ich angezählt bin, muss ich mich schnellst möglich aufrappeln und weitermachen.

Wie gehen Sie generell mit schwierigen Situationen um?

Ich rede mit meiner Frau Sybille. Sie kennt mich sehr gut und sagt mir die Wahrheit, auch wenn ich sie manchmal nicht hören will (lacht).

Als Universitätsstifter haben Sie die TUM mit viel Geld unterstützt. Warum ist Ihnen die Zukunft Ihrer Alma Mater wichtig?

Weil die TUM mir sehr viel gegeben hat. Praktisch den Startschuss für mein ganzes Leben. Wer erfolgreich ist, sollte daran denken, wem er das schuldet. Meinen Erfolg habe ich auch der Tatsache zu verdanken, dass ich mich an der TUM promoviert und habilitiert habe, eine gute Ausbildung und dann auch eine Professur gekriegt habe. Ich bin kein Großinvestor, aber ich werde weiterhin versuchen, meine Alma Mater in meinem Rahmen zu unterstützen.

Dieses Jahr im September – hoffentlich darf ich das verraten – werden Sie 70 Jahre alt. Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?

Ruhestand? Ich bin kein Toskana-Typ, der die ganze Zeit nur Golf spielt und Rotwein trinkt. Mein Leben ist im OP. Ich habe jetzt gerade noch einmal fünf Jahre verlängert. Meine größte Angst ist, dass ich eines Tages gebrechlich werde und nicht mehr operieren kann. Ansonsten gilt bei mir das Motto: Wer nicht mehr träumt und nichts mehr vorhat, ist schon tot. Und deswegen baue ich jetzt gerade in China eine Klinik auf. In Moskau habe ich eine Kooperationsklinik, zu der ich zweimal im Jahr rüberfliege. Was soll ich sagen? Es geht einfach immer weiter. Das ist mein Unternehmer-Gen. Das kann ich nicht abstellen.

Prof. Dr. Yana Bromberg

TUM-IAS Hans Fischer Fellow 2014-2017

Yana Bromberg, Ph.D. lebt in New York und New Jersey. Sie ist Associate Professor am Department of Biochemistry and Microbiology und Adjunct Associate Professor am Department of Genetics an der Rutgers University in New Jersey. Als Elfjährige kam sie mit Ihren Eltern aus der Ukraine in die USA und lebte in New York in einfachen Verhältnissen. Sie studierte Biologie und Computer Sciences an der Stony Brook State University of New York von 1997 bis 2001. Im Anschluss absolvierte sie ihren M.Phil. und promovierte bis 2007 an der Columbia University bei dem heutigen TUM-Professor Burkard Rost in Biomedical Informatics. Die folgenden drei Jahre blieb sie an der Columbia als Postdoc Research Scientist, bis sie als Assistant Professor in Biochemie, Mikrobiologie und Genetik an die Rutgers University in New Jersey wechselte. Dort erhielt sie ihr eigenes Lab. Von 2014 bis 2017 war sie Hans Fischer Fellow des TUM Institute for Advanced Study (IAS). Ihre Forschung fokussiert auf molekulare Funktionen von Proteinen und Genen. Ihr Labor untersucht menschliche genetische Variationen zur Prädisposition für Krankheiten, entwickelt Tools zur Analyse von Mikrobiomen und sucht nach Proteinen als Ursprung des Lebens. Yana Bromberg ist Mitglied des Board of Directors of the International Society for Computational Biology und aktiv beteiligt an den Konferenzen Intelligent Systems for Molecular Biology (ISMB) sowie dem europäischen Äquivalent, der European Conference on Computational Biology (ECCB). In ihrer Freizeit geht sie wandern oder segeln und liebt es – oft von München aus – ihre Familie und Freunde in ganz Europa zu besuchen.

Dieser Artikel ist erschienen in KontakTUM 1/2019:


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