Praxistipp: Mit Fragen zum Ziel

Vom ersten Kennenlernen bis zum Abschluss des Mentoringjahres begleiten Sie Fragen ganz unterschiedlicher Art im Mentoringprozess. Anfangs sind es Fragen, um sich besser kennenzulernen, später sind es vertiefende Fragen, um eigene Standpunkte zu finden, eigene Stärken und Schwächen zu analysieren, Probleme zu lösen und zukünftige Schritte zu planen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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„Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen“ hat Johann Wolfgang von Goethe gesagt. Dies gilt auch bei TUM Mentoring, sowohl für die Mentees als auch für Mentorinnen und Mentoren. Lernen Sie in diesem Praxistipp Fragetechniken kennen, die Sie bei der Gesprächsführung und der Lösung von thematischen und persönlichen Fragestellungen unterstützen.

1. Offene Fragen

Mit offenen Fragen, sogenannten W-Fragen (Wieso, Warum, Wie, Wozu, Was, …), regen Sie das Gespräch an. Offene Fragen sind nicht mit Ja oder Nein zu beantworten, automatisch erfahren Sie mehr über Ihr Gegenüber. Sie können sowohl in der Phase des Kennenlernens gut eingesetzt werden als auch bei Orientierungsfragen, wenn das Thema geweitet werden soll.

Beispiele: Wie waren Ihre ersten Tage in München? Wie sieht Ihr Studien-/Arbeitsalltag aus? Warum haben Sie sich für diesen Karriereschritt entschieden? Was erwarten Sie sich von diesem Schritt? Wie erlebst Du unsere Zusammenarbeit?

2. Geschlossene Fragen
Eine geschlossene Frage zielt auf ein simples Ja oder Nein ab. Sie ist geeignet, wenn es um konkrete Entscheidungen und Verabredungen geht. Sie werden auch oft mit anderen Fragearten kombiniert und zum Abschluss einer Diskussion eingesetzt.

Beispiele: Passt Ihnen das Treffen am Montag? Sollen wir zusammen zu Open Mentoring gehen? Werden Sie sich bei XY bewerben?

3. Alternativfragen
Die Alternativfrage liegt zwischen der offenen und geschlossenen Frage und eröffnet mindestens zwei Antwortmöglichkeiten. Dabei werden die Wahlmöglichkeiten deutlich benannt und eine Entscheidung herbeigeführt.

Beispiele: Sollen wir uns bei mir im Büro treffen oder sollen wir ins Cafe gehen? Möchten Sie die Antwort bis nächsten Montag oder reicht es bis in 14 Tagen? Finden Sie Arbeitsfeld X interessanter oder Arbeitsfeld Y?

4. Aktivierende Fragen
Manchmal wird das Gespräch schleppend, es treten lange Pausen ein. Hier können Sie versuchen mit aktivem Zuhören und aktivierenden Fragen wieder Schwung ins Gespräch zu bringen. Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass Ihr Gesprächspartner, Ihre Gesprächspartnerin das Gefühl hat, dass Sie zugewandt und interessiert sind. Dies geht von gutem Blickkontakt, Signalen wie Nicken oder auch Kopfschütteln bis zu aktivierenden Fragen, die Sie als offene Fragen stellen (siehe Pkt. 1).

Beispiele: Was hat Sie dazu gebracht den Job abzulehnen? Wie war Ihre Rolle in dem Projekt? Wie sehen Sie die Entwicklungsmöglichkeiten von XY?

5. Kontrollfragen
Mit Kontrollfragen überprüfen Sie, ob Sie die Ausführungen Ihrer Gesprächspartnerin/ Ihres Gesprächspartners richtig verstanden haben. Gleichzeitig geben Sie damit Rückmeldung darüber, was Sie in dem Gespräch verstanden haben oder wie Sie das Gesagte interpretieren.
Damit zeigen Sie sowohl Ihr Interesse an der Thematik als auch an der Person und fördern Ihre Beziehung im Tandem.

Beispiele: Habe ich richtig verstanden, dass …. Sehe ich richtig, dass ….

6. Skalierungsfragen
Mit Skalierungsfragen können individuelle Bewertungen, Veränderungen und Fortschritte verdeutlicht werden. Skalierungsfragen können dazu beitragen subjektive Empfindungen wie Zufriedenheit, Motivation, Wahrnehmung, Eindrücke, Gefühle und Fortschritte zu veranschaulichen. Dabei wird immer von einer Skala von 0 bis 10 ausgegangen, wobei 0 für die schwächste und 10 für die stärkste Ausprägung steht.

Beispiele: Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie motiviert fühlen Sie sich? Wie beurteilen Sie das angesprochene Problem auf einer Skala von 0 bis 10? Was müsste passieren, dass Sie sich von einer 6 auf eine 8 steigern?

7. Fragen zum Perspektivwechsel
Manchmal ist es hilfreich über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich in andere hineinzuversetzen, um mögliche Hemmnisse zu verstehen oder auch einfach nur den Blick zu weiten. Hilfreich sind dazu Fragen, die einen Perspektivwechsel in eine andere Person einleiten.

Beispiele: Wie würde Ihre Partnerin / Ihr Partner diese Frage beantworten? Was würde Ihr Anleiter sagen, wenn Sie XY vorschlagen? Wie würde Ihr Kollege die Situation einschätzen? Was denken Sie, wie Ihr Kollege sich in der Situation fühlt?

8. Paradoxe Fragen
Paradoxe Fragen zielen darauf zu verblüffen. Eine als schwierig empfundene Situation / Aufgabe wird überzeichnet, um neue Ideen und Lösungsansätze zu generieren. Stellen Sie eine paradoxe Frage und lassen Sie Ihre Gesprächspartnerin / Ihren Gesprächspartner vorstellen, wie eine Situation endgültig eskaliert. Daraus ergeben sich häufig neue Anregungen und eine neuer Blick auf das Problem.

Beispiele: Was müssten Sie tun, um das Projekt zum Scheitern zu bringen? Wie ließe sich das Problem verschlimmern? Wie schaffen Sie es noch unmotivierter zur Arbeit / zum Studium zu gehen? Was müsste passieren, damit Ihr Chef Sie feuert?

9. Hypothetische Fragen
Hypothetische Fragen zielen meist auf die Zukunft und eröffnen die Möglichkeit neue Blickwinkel und Lösungsansätze in Gedanken durchzuspielen. Dadurch wird die Kreativität gefördert und die Suche nach potentiellen Lösungen angeregt.

Beispiele: Was wäre, wenn Sie die Stelle im Traineeprogramm bekommen würden? Wie würde Ihr Traumberuf aussehen? Was würde passieren, wenn Sie durch die Prüfung fallen? Wie würden Sie an die Aufgabe herangehen, wenn Zeit kein Faktor wäre?

Wann welche Fragetechniken für Sie passend sind, entscheiden Sie je nach Thematik und Kontext. Wichtig dabei ist immer der gute und zugewandte Kontakt.