Architekt Andreas Meck: „Die Vielfalt der Aufgaben fasziniert mich.“

Andreas Meck zählt zu den gefragtesten Architekten Deutschlands. Der TUM Alumnus liebt es, sich immer wieder neu auf unterschiedliche Projekte einzulassen. Er baut Wohn- und Ferienhäuser ebenso wie kirchliche Gemeindezentren und sakrale Bauten. Und er liebt es, zu lehren, mit Studierenden über Entwürfen zu sitzen und über Konzepte zu diskutieren. Für die TUM in Garching hat er zusammen mit seinem Büropartner Axel Frühauf einen außergewöhnlichen Mensa-Neubau konzipiert, der Anfang nächsten Jahres eröffnet wird.

Herr Professor Meck, Sie bauen die neue Mensa in Garching. Wie war es, heute für das Interview an die TUM zurückzukommen? Haben Sie ein Heimatgefühl verspürt?
Das ist eine gute Frage. Wenn man hier studiert hat und nach Jahrzehnten wieder in dieses Gebäude kommt, gibt es eine Sache, die einen einholt: Das ist der Geruch. Den vergisst man nicht. Man merkt dann „Mhm, aha, das riecht noch genauso wie damals“. Und es macht natürlich Spaß, für Bauherren zu arbeiten, die man kennt und die in direkter Nähe sind.

Wodurch konnten Sie beim international ausgeschriebenen Wettbewerb mit Ihrem Entwurf überzeugen?
Das war eine sehr schwierige Aufgabe. Eine Mensa hat hohe funktionale Anforderungen. Stellen Sie sich vor: bis zu 7.000 Essen, die da innerhalb weniger Stunden produziert werden, davon 2.000, die nach außen gehen, 1.500 Sitzplätze in einem großen Raum. Allein die Logistik zu bewältigen, wenn die Studierenden kommen, sich für ein Essen entscheiden, das Essen holen, es am Tisch verzehren und dann wieder hinausgehen aus der Mensa.

Das muss ein großer Raum sein.
Ja, in Bezug auf die Konstruktion ist das eine Herausforderung. Ein Raum, in dem 1.500 Studierende essen können, braucht natürlich eine bestimmte Größe, er hat bestimmte Spannweiten, die ganze Technik muss sozusagen in dieser Konstruktion untergebracht werden. Hinzu kommt: So eine Mensa ist ein wichtiger Kommunikationsort innerhalb einer Hochschule und einer Campusanlage. Dort treffen sich die Studieren- den, dort findet der Austausch statt – auch zwischen unterschiedlichen Fächern. Das halte ich für sehr wichtig. Und das heißt auch, die Mensa musste eine besondere Gestalt bekommen, um diesem Anspruch hier genügen zu können. Wir haben es geschafft, diese Randbedingungen alle so zusammenzubringen, dass ein Gesamtkonzept entstanden ist und dass nun eine Mensa gebaut wird, die auch als wichtiger Fokus des Standortes Garching dienen wird.

Wie wird die Mensa aussehen?
Die Mensa bekommt eine flächige, hölzerne Außenhaut. Ganz bewusst. Denn das ist ein Material, das in der Form noch nicht am Campus vorhanden ist. Wir wollten der Mensa einen Sonderstatus geben. Wir sind der Meinung, dass an diesem Ort, inmitten dieser vom Inhalt und vom Aussehen her sehr technisch ausgerichteten Gebäude, eine Mensa mit einer haptischen und, ich sage jetzt einmal, emotionalen Oberfläche ganz gut wäre. Sie wird also einen anderen Charakter bekommen als die Gebäude, die sonst in Garching stehen.

Und der Innenraum?
Das Thema Holz wird sich über die Fassaden auch im Innenraum artikulieren. Wir haben ansonsten sichtbare Stahlbetondecken, zum Teil geputzte Wände, also ein Konzept, das sich farblich im Bereich Weiß/Schwarz bewegt und einen eher neutralen Hintergrund hat. Wenn Sie sich vorstellen, dass dort 1.500 Studierende essen werden, dann ist das bunt genug.

Die Mensa hat auch einen Innenhof, nicht wahr?
Ja, das ist die Besonderheit der Mensa. Das müssen Sie sich so vorstellen: Der Speisesaal ist im ersten Stockwerk, das heißt, wenn Sie im Speisesaal sitzen, der nach allen Seiten hin verglast ist, sehen Sie quasi über den Innenhof, der diesen großen Mensa-Raum in mehrere kleinere Räume gliedert. Sie können zwar von einer Seite über diesen Hof auf die andere Seite schauen, wo die anderen Studierenden sitzen, aber es ist ein Blick durchs Grüne. Wir haben die Vorstellung, dass dort im Innenhof Kiefern gepflanzt werden.

Was ist denn aus Ihrer Sicht das Charakteristische an Ihren Projekten?
Ich denke, es ist die Vorstellung, dass Gebäude neben den funktionalen und gestalterischen Anforderungen auch hohe atmosphärische Qualitäten haben sollten. Das macht meine Arbeit aus. Dazu gehört auch die ernsthafte Auseinandersetzung mit den Randbedingungen, also mit den Gegebenheiten vor Ort.

Gibt es Lieblingsaufgaben, die Sie bearbeiten: ein Haus in der Stadt oder auf dem Land raus- nehmen in den Bergen zum Beispiel?
Nein, eigentlich nicht. Ich gehöre zu den wenigen Architekten, die nicht spezialisiert sind, und das ganz bewusst. Ich finde, dass hinter jeder Aufgabe eine neue Herausforderung steht. Ich nehme die kleinen Dinge genauso ernst wie die großen, denn sie erfordern, wenn man sie ernst nimmt, auch genauso viel Arbeit. Diese Herausforderung, die in jeder neuen Aufgabe steckt, ist es natürlich auch, was einen wach hält, was spannend ist.

Ist das nicht schwierig: Dass Sie sich immer wieder in neue Dinge hineindenken müssen? Eine Kirche zum Beispiel ist ein Raum, der völlig anders funktionieren muss als ein Wohnhaus.
Es geht darum, Räume und Raumatmosphären zu schaffen. Das ist der rote Faden, der sich durchzieht. Die anderen Dinge, Funktionen, die können sich auch bei Einfamilienhäusern im Detail immer wieder ändern. Insofern ist es selbstverständlich, sich darauf einzustellen. Die Orte sind ohnehin immer unterschiedlich. Deshalb empfinde ich es nicht als schwierig, eher als bereichernd, dass es unterschiedliche Aufgaben sind.

Sie sind ein erfolgreicher Architekt. Wie wird man das?
Meine Studentenzeit war geprägt durch das Arbeiten in großen Arbeitssälen. Wir waren 240 Studienanfänger, aufgeteilt auf mehrere Zeichensäle. Dort saßen wir dann Schulter an Schulter und haben die ganzen Übungen abgearbeitet. Das war sehr gut, weil damit ein reger Aus- tausch mit den anderen Studierenden entstehen konnte. Heute habe ich immer noch Kontakt zu vielen, mit denen ich studiert habe. Auch aus dem Hauptstudium ist mir vor allem die intensive Arbeitssituation in Erinnerung geblieben. Wir konnten uns für Arbeitsräume in der Richard-Wagner-Straße bewerben, um dort an Projekten zu arbeiten. Dort herrschte eine ganz dichte Arbeitsatmosphäre, wir haben uns gegenseitig beraten, aber uns auch gegenseitig hochgeschaukelt und über Architektur diskutiert. Oft hörten wir eben nicht um sechs Uhr auf zu arbeiten, sondern saßen bis Mitternacht dort. Eine solch intensive Auseinandersetzung mit einer Sache bietet die Möglichkeit, für ein Studium oder einen Beruf Feuer zu fangen.

Sie bezeichnen sich selbst als „Architekt aus Berufung und Leidenschaft“. Wie kamen Sie denn zur Architektur?
(schmunzelt) Die meisten antworten auf eine solche Frage, dass sie schon von klein an Lego gespielt haben. Das habe ich zwar auch. Aber es war nicht so, dass ich von Anfang an wusste, dass ich Architekt werden würde. Ich hatte eine Vielzahl von Interessen, und das Architekturstudium war aus meiner Sicht vom Querschnitt her das Studium, das die meisten meiner Interessen gleichzeitig berücksichtigt hat. Das Grundstudium an der TUM war relativ trocken und vermittelte vor allem Basiswissen, aber ich habe mich darauf eingelassen, habe eben irgendwann dieses Feuer gefangen und gemerkt: Das macht mir Spaß, das will ich machen, das ist meins.

Gibt es Erfahrungen aus dem Studium, aus denen Sie noch heute schöpfen können?
Wir haben unglaublich viele Fakten gelernt. Das war in der damaligen Zeit ein sehr gutes Fundament, um später im eigenen Büro darauf aufbauen zu können. Das hat mir sehr viel gebracht. Für die Lehre habe ich vor allem die Projektarbeit als sehr positive Erfahrung aus meiner Zeit an der TUM mitgenommen. Sie spielt bei meiner Tätigkeit als Professor heute eine sehr große Rolle.

Was hat Sie denn motiviert, neben Ihrer Tätigkeit als Architekt in die Hochschullehre zu gehen?
Als ich mich selbständig gemacht habe, habe ich relativ schnell gemerkt, dass mir neben der Arbeit im Büro ein Teil abging: die Möglichkeit, mich mit anderen auszutauschen und auch theoretisch über Dinge nachzudenken, mich also auf anderen Ebenen mit Aufgabenstellungen zu beschäftigen. Deshalb habe ich Lehraufträge angenommen, was dann relativ schnell in die Professur an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften mündete.

Und Sie mögen die Arbeit mit Studierenden?
Ja, ich schätze den direkten Kontakt mit Studierenden und die Diskussionen mit ihnen sehr. Es regt mich an, selber wieder anders über Dinge nachzudenken. Das ist der Freiraum, den eine Hochschule bietet: Dinge ausprobieren und ausloten zu können, Risiko einzugehen – das ist später im beruflichen Alltag schwierig. Mit den Studierenden zusammen arbeite ich gerne an Themen, für die im normalen Büroalltag kein Raum ist. Und die Studierenden suchen genau das: Lehrer, die aus der Praxis kommen, ihnen Dinge vermitteln können, die aktuell sind und gleichzeitig Freiräume bieten.

Was machen Sie mit Ihrer Zeit, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich versuche, mich mit der Baukultur zu beschäftigen. Außerdem habe ich eine Reihe von Engagements außerhalb des Büros, berate Städte und Gemeinden in Fachbeiräten und Gestaltungsbeiräten. Ich sitze in Wettbewerbs-Jurys und ich engagiere mich zum Beispiel für das Architekturmuseum der TUM. Ich finde es wichtig, auch hier meinen Beitrag zu leisten.

Gehört das für Sie nicht zur Arbeit?
Nein. Wenn die Arbeit Spaß macht, dann ist die Arbeit ja sozusagen Hobby, nicht? Sie haben vorher das Wort Berufung genannt, das finde ich ganz gut. Das ist mir lieber als Beruf. Ich sage das den Studierenden auch immer. In Berufung steckt Begeisterung für etwas, und ich meine, wenn man von seinem Beruf begeistert ist, Spaß daran hat, dann gibt es keine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Beruf und Hobby.

Was ist für Sie insgesamt das Schönste an Ihrem Beruf?
Das Schönste ist sicherlich, dass ich einen Beitrag zur Baukultur leisten kann. Also Gebäude, die gelungen sind, stehen ja im Stadt- oder Ortsbild und leisten einen positiven Beitrag für diejenigen, die vorbeigehen, und für diejenigen, die in den Gebäuden wohnen und sie nutzen. Das finde ich wunderschön an unserem Beruf.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie selbst an den Häusern vorbeigehen, die Sie gebaut haben? Fahren Sie manchmal auch extra dorthin?
Eher selten, muss ich zugeben. Ich bin jemand, der nach vorne orientiert ist und der sich für die neuen Aufgaben interessiert. Aber natürlich ist es so, dass ich immer wieder mit meinen früheren Arbeiten konfrontiert werde, manchmal zufällig, manchmal durch Nachfolgeaufträge, zum Beispiel Adaptierungen am Bauwerk nach Jahren mit Nutzungsänderungen. Dann schaue ich mir die Bauwerke wieder an. Für mich ist wichtig, dass die Bauwerke sehr gut altern. Das ist mir ein Anliegen: Dass man nicht modische Dinge macht, sondern dass man versucht, Dinge so zu bauen, dass sie mit der Zeit in Würde altern können. Das funktioniert doch eigentlich bei vielen meiner Bauwerke sehr gut.

Wie sieht gute Architektur für Sie aus? Gibt es ein schönstes Gebäude der Welt?
Das ist eine schwierige Frage. Es gibt viele schöne Gebäude. Ich könnte jetzt nicht sagen, welches das beeindruckendste für mich ist. Ich habe eher etwas anderes gelernt: Dass es neben den Ikonen der Architektur eigentlich häufig die Alltagsarchitektur ist, die viel entscheidender ist. Also die Räume, in denen wir täglich arbeiten und wohnen.

Gibt es für Sie einen solchen schönen Raum?
Ja, tatsächlich, das ist die Hochschule München an der Karlstraße, ein Bauwerk aus den 50er Jahren, von bekannten Architekten der damaligen Zeit: Alois Seifert, Rolf ter Haerst und Franz Ruf. Das Gebäude hat einen wunderschönen Lichthof. Und ich freue mich an jedem Tag, an dem ich dort arbeite: Durch diesen Lichthof zu gehen, die Atmosphäre zu spüren, die Studierenden auf den Galerien zu sehen, das Licht, die Bodenbeläge. Das sind solche Orte, die neben den großen Architekturikonen mein Leben verbessern, und das finde ich schön, das ist für mich ein schöner Ort.

Als Architekt sind Sie sehr erfolgreich und haben schon vieles erreicht. Was ist die nächste Herausforderung für Sie?
Seit längerem bin ich auch als Stadtplaner tätig und setze mich dabei mit der Planung von gebauten urbanen Strukturen auseinander, angefangen von der Stadt über durchaus kleinere Siedlungsstrukturen und ganz bewusst auch die Frage des Übergangs zum Land, also zur freien Natur.

Stadtplanung ist besonders für Metropolen wie München eine Herausforderung.
Ja, Stadtplanung in München braucht gute und vor allem kreative Lösungen für den fehlenden Wohnraum. Wohnen ist ein Begriff, der relativ schwer zu definieren ist. Jeder versteht etwas anderes darunter. Die Zeit, in der es ausschließlich klassische Familienstrukturen gab, ist überholt. Wir reden heute von Mosaik-Lebensläufen und Patchwork-Familien. Aber der Wohnungsbau geht immer noch davon aus, dass es entweder das Single-Appartement gibt oder die 3-Zimmer-Wohnung für Eltern mit Kind. Es wird häufig nach alt hergebrachten Standard-Grundrissen gebaut: Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer. Das ist irgendwie an der Zukunft vorbeigeplant.

Sie liefern mit Ihren Entwürfen viele Gegenmodelle zur Standardarchitektur und gehören damit zu einem der gefragtesten Architekten in Deutschland. Wie gehen Sie mit Ihrem Erfolg um?
Preise und Anerkennungen sind immer schön, weil man positive Resonanz kriegt auf die Arbeit, die man geleistet hat. Grundsätzlich interessiert mich aber das Tun, das Entwickeln eines Bauwerkes, mehr, als nach Preisen zu schielen. Preise haben ja auch nichts mit der realen Auftragslage zu tun. Letztendlich ist das Arbeiten heute für mich nicht sehr viel anders als zu Beginn meiner Karriere: Man muss sich um jeden Auftrag be- mühen, denn jedes Mal beginnt man mit einem Projekt wieder ganz von vorne. Das ist das Anstrengende, aber auch Wunderbare an der Architektur.

 

Prof. Andreas Meck

Diplom Architektur 1985

Andreas Meck hat von 1979 bis 1985 an der TUM Architektur studiert. Nach einem Studium an der Architectural Association in London gründete er 1989 sein erstes Architekturbüro in München, das Büro meck architekten gibt es seit 2001. Außerdem ist er seit 2008 auch als eingetragener Stadtplaner tätig. Zu seinem Schaffen zählen u. a. das Bibliotheks- und Hörsaalgebäude der Bauhaus-Universität in Weimar (2005), das Katholische Dominikuszentrum in München-Nordheide (2008) und das Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin (2009). Derzeit betreut Andreas Meck den Neubau der Mensa auf dem TUM Campus in Garching. Darüber hinaus engagiert er sich im Förderverein des Architekturmuseums der TUM und war bis 2018 dessen Vorstandssitzender. Er war Assistent am Lehrstuhl für Raumgestaltung und Entwerfen der Akademie der Bildenden Künste in München, übernahm 1998 die Professur für Entwerfen und Baukonstruktion der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München und ist seit 2013 auch Dekan der dortigen Fakultät für Architektur. 2015 wurde er mit dem Architekturpreis der Landes- hauptstadt München ausgezeichnet. Die Jury betonte dabei sein Gespür für das Material, die räumlichen Wirkungen und die Einbeziehung des Lichts. Den Wettbewerb um das neue Mensa-Gebäude in Garching hat er u. a. wegen seiner integrativen stadt-räumlichen Haltung und einer „kraftvollen, klaren und raumstarken Architektursprache“ gewonnen.

Dieser Artikel ist erschienen in KontakTUM 2/2018:

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