Praxistipp: Was tue ich, wenn Mitmenschen unzuverlässig sind?

Clemens Graf von Hoyos. Foto: Robert Brembeck / Bayern LB

Sie kennen es bereits aus Schulzeiten: die Vorbereitungen auf das Gruppenreferat verlaufen schleppend, da es immer diese eine Person gibt, die Ihren Beitrag nicht beisteuert. Genauso verhält es sich dann auch im Studium, wenn Kommilitonen schlecht bis gar nicht vorbereitet zu einem Treffen erscheinen, wenn es darum geht eine Partnerarbeit zu schreiben. Und im gar so professionellen Berufsleben geht der Wahnsinn dann genau so weiter.

Jeder Mensch mit einem Funken Anstand und Ehrgeiz leidet darunter, denn aus aus Pflichtbewusstsein gegenüber seinen Vorgesetzten und Kunden übernimmt man die Arbeit seiner Kollegen. Die Situation wird als unfair empfunden, zumal es so scheint, als kämen alle anderen damit stets ungestraft davon.

Der Duden definiert Fairness mitunter als Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Solidarität.

Gruppen, die sich untereinander solidarisch verhalten, halten aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele zusammen. Dafür bedarf es einer klar kommunizierten Erwartungshaltung sowie konkreten Absprachen, an die sich jeder zu halten hat.

Sind solche Spielregeln einmal formuliert, ist es ein Leichtes, die einzelnen Teammitglieder an „Fairplay“ zu erinnern. Das muss sachlich erfolgen, wobei auch hier wie immer gilt: der Ton macht die Musik. Emotionen und Anschuldigungen sind hier fehl am Platz.

Sollte sich das Gefühl einstellen, dass man zunehmend vom Partner zum Spielball wird, kann man immer noch das Spielfeld verlassen. Damit es allerdings nicht so weit kommen muss, lassen sich noch weitere Maßnahmen ergreifen:

Vermeiden Sie, dass die Unzuverlässigkeit anderer Personen Ihre Erfolge beeinträchtigen.

1. Abgrenzen/ unzuverlässige Personen identifizieren:arrangieren Sie ein Treffen im Vorfeld an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Nur eine winzige Kleinigkeit soll vorbereitet werden. Wer unentschuldigt unpünktlich oder unvorbereitet kommt, hat sich schon disqualifiziert. Sie tun sich tatsächlich einen Gefallen, wenn Sie sich von solchen Personen fernhält.

2. Selbstschutz durch Dokumentation: Kommt es hart auf hart, kann eine präzise Dokumentation, in die natürlich alle Teammitglieder mit einbezogen werden, als Beweis dafür dienen, dass Misserfolge nicht aus eigenen Versäumnissen resultieren.

3. Sanktionierung: meist erscheint ein privatrechtliches, bzw. öffentlich-rechtliches Vorgehen gegen Unzuverlässigkeit nicht angemessen. Doch auch Gruppendruck und wiederholtes Nachhaken bezüglich des Status quo einer zu erledigenden Aufgabe durch die Mehrheit aller Teammitglieder kann bereits – da nervenaufreibend – eine adäquate Sanktion sein, die im besten Fall zur schnelleren Erledigung der ausstehenden Arbeiten führt.

4. Ausreden nicht gelten lassen: meist haben unzuverlässige Leute immer eine Ausrede parat. Diese dürfen Sie nicht gelten lassen. Appellieren Sie an das Pflichtgefühl der unzuverlässigen Person. Es muss ein Verständnis dafür geschaffen werden, dass alle „im selben Boot“ sitzen und persönliche Befindlichkeiten den Erfolg des Projekts gefährden können.

5. Gelassenheit: Läuft es im Team ausnahmsweise doch nicht glatt, hilft es, sich folgendes vor Augen zu führen: Kann etwas gleichermaßen aus Dummheit oder Böswilligkeit passieren, solle man stetes von Dummheit ausgehen. Die richtet sich – im Gegensatz zur Böswilligkeit – nämlich nicht gegen jemand anderes.

Zuverlässigkeit ist eine wichtige psychosoziale Kompetenz, die maßgeblich mit über Erfolg und Misserfolg im beruflichen und privaten Leben entscheidet. Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass die Unzuverlässigkeit anderer Personen Ihre Erfolge beeinträchtigen.

Clemens Graf von Hoyos: Foto: www.offenblende.de

Clemens Graf von Hoyos ist CEO und Gründer von „vonHoyos – mit Stil, Charme und Etikette“, Vorstandsvorsitzender der Deutschen-Knigge Gesellschaft, Speaker und Experte für Business-Etikette