Praxistipp: In acht Schritten zum (neuen) Job

Ob es beim Berufseinstieg um die erste Stelle geht oder später um einen Stellenwechsel, das Thema berufliche Orientierung begleitet uns über lange Zeit (Foto: Kurhahn/Fotolia).

Wie finde ich den ersten Job? Wie entwickle ich mich weiter und bereite mich auf einen Jobwechsel vor? Ob vom Praktikum zur Werkstudententätigkeit oder dann von der ersten richtigen Stelle weiter die Karriereleiter hinauf, das Thema beruflicher (Neu-) Orientierung ist in mehreren Lebensphasen aktuell. Im Laufe des Berufslebens kommen Anforderungen und Änderungen auf uns zu, die uns dazu bringen oder auch zwingen, uns beruflich neu zu orientieren. 

Mentor Franz Kapsner (Mit Bild und Link über den Namen auf ihre Webseite) hat erst als Personaler und heute als selbstständiger Coach für Veränderungsprozesse viele Menschen im Prozess ihrer Neu- und Umorientierung begleitet. Aus seiner Erfahrung heraus beschreibt er acht Schritte, die bei der beruflichen (Neu-) Orientierung hilfreich sind. Sie müssen nicht zwingend sequentiell durchlaufen werden; Sie können auch parallel in einer pragmatischen und zielführenden Reihenfolge bearbeitet werden.

Natürlich können Sie die acht Schritte alleine ausführen, Sie können aber auch andere einbinden und sich Unterstützung und Rückmeldung holen. Sprechen Sie z.B. mit Ihrem Tandempartner, Ihrer Tandempartnerin und mit Freunden und Bekannten oder bei Bedarf auch mit professionellen Berater/innen.

Wie sagt Konfuzius so schön?! „Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht.“

Schritt 1: Situationsanalyse

Hinterfragen Sie detailliert Ihre individuelle Situation (Biographie). Es geht um eine Reflexion Ihres persönlichen und wirtschaftlichen Umfeldes. Z.B. wie ist meine aktuelle persönliche Situation? – was habe ich erreicht? – wo will ich hin? – welche Perspektiven verfolge ich? – … Soweit angebracht und erforderlich, sollten Sie auch erlittene „Verletzungen“ (z.B. durch den Verlust des Arbeitsplatzes) thematisieren und aufarbeiten.

Schritt 2: Standortbestimmung

Während im ersten Schritt Ihre Person als Ganzes im Fokus stand, wird nun die berufliche Situation untersucht. Dazu gehören zum Beispiel der Status der Trennung von Universität oder Arbeitgeber oder bereits laufende Bewerbungen. Betrachten Sie alle wesentlichen Aspekte (technische Kenntnisse, Erfahrungen, Soft Skills, Wesenszüge, …) die für eine erfolgreiche berufliche Weiterentwicklung von Bedeutung sein können. Wie können Sie als Person künftig Mehrwert generieren? Halten Sie Ihre Fähigkeiten, Neigungen, Leidenschaften und ähnliches fest.

Schritt 3: Potenzialanalyse

Wichtig ist es, zu wissen, welche Kompetenzen sowie welche persönlichen Eigenschaften für die Zukunft Sie in die Waagschale legen können. Erinnern Sie sich an Erfolgsgeschichten, und überlegen Sie, wie Sie sich selbst wahrnehmen und wie Sie von anderen wahrgenommen werden. Die eigenen Stärken findet man in den Bereichen, in denen man von Mit-Studenten/innen bzw. Kollegen/innen gerne zu Rate gezogen wurde. Es geht vor allem darum, sich bewusst zu werden, welche Erfahrungen und Kenntnisse bei der anstehenden beruflichen Weiterentwicklung zum Tragen kommen sollen. Überlegen Sie, was Sie gerne machen, denn darin liegen auch Ihre Stärken. „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ (Konfuzius)

Schritt 4: Ziel- und Perspektivendefinition

Waren in den vorangehenden Schritten die Überlegungen stärker auf die Vergangenheit und Gegenwart gerichtet, liegt das Augenmerk nun auf der Zukunft. Welche Perspektiven eröffnen sich auf Grund Ihrer vorhandenen Kompetenzen? Definieren Sie eine Zielrichtung und umreißen Sie Ihr künftiges Betätigungsfeld. Dazu gehören konkrete Fragen wie: Will ich die gleiche oder eine andere Tätigkeit ausüben? Will ich in der gleichen Branche bleiben? Bleibe ich in meiner Region? Kann ich mir eine Selbständigkeit vorstellen? Welche Kriterien sind für meine Entwicklung von Bedeutung? Auf diese Weise können Sie den möglichen Beschäftigungsrahmen abstecken, und Alternativen priorisieren.

Schritt 5: Optimierung der Bewerbungsunterlagen

Aussagekräftige Unterlagen betrachten drei Zeiträume:

Vergangenheit: Diese wird im Lebenslauf dokumentiert. Legen Sie neben Standardthemen wie persönlichen Daten und beruflichen Tätigkeiten auch ein Augenmerk auf Ihre besonderen Erfolge und erzielten Ergebnisse.

Gegenwart: Erstellen Sie ein Qualifikationsprofil, das Ihre Erfahrungen, spezifischen Kenntnisse, sozialen Kompetenzen und –optional – beruflich relevante Interessen und Hobbies aufführt.

Zukunft: Erarbeiten Sie ein zielgerichtetes Anschreiben, aus dem neben Ihrer persönlichen Motivation für die Bewerbung auch hervorgeht, welchen Mehrwert Sie dem angeschriebenen Unternehmen mit Ihrem Qualifikationsprofil bieten können.

Hilfestellung für Alumni und Studierende bietet hier der TUM Career Service mit seinen Angeboten.

Schritt 6: Stellenrecherche bzw. Bewerbungskampagne

Sensibilisieren Sie Ihr persönliches Netzwerk. Erstellen beziehungsweise aktualisieren Sie Profile in beruflichen Online-Netzwerken und Jobbörsen und schauen Sie regelmäßig auf Jobportalen nach interessanten Stellen. Ziehen Sie zusätzlich Ihr persönliches Netzwerk, Headhunter / Personalagenturen und eventuell die Agentur für Arbeit heran und verfolgen Sie Printmedien. Gehen Sie systematisch vor und dokumentieren und bewerten Sie in Frage kommende, offene Stellen (zum Beispiel formale Daten, Gewichtung, Erfolgswahrscheinlichkeit).

Schritt 7: Vorbereitung des Bewerbungsgesprächs

Wie die Erfahrung zeigt, werden Sie in der Folgezeit zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden. Bereiten Sie diese sehr gewissenhaft vor und überlegen Sie sich auch, welche potentiellen kritischen (Fang-) Fragen gestellt werden könnten und wie Sie darauf antworten würden. Wenn Sie mit solchen Fragen ohne Probleme und Ausflüchte umgehen und wahrheitsgemäß und souverän antworten, wirken Sie wie ein echter Profi. Extrem wichtig ist, dass Sie so viel wie möglich über die zu besetzende Stelle in Erfahrung bringen. Sollte dies nicht erschöpfend möglich sein, dann notieren Sie sich Ihre entsprechenden Fragen und stellen Sie sie bei gegebener Gelegenheit während der Bewerbungsgespräche. Dies zeigt, dass Sie sich ernsthaft mit der Stelle auseinandergesetzt haben sowie die nötige Motivation und ein starkes Interesse mitbringen. Ein individuelles Gesprächstraining kann Ihnen zur nötigen Sicherheit verhelfen, um im entscheidenden Augenblick überzeugend aufzutreten.

Schritt 8: Bewerbungsprozess und Probezeit

Behalten Sie im Bewerbungsprozess den Überblick über laufende und geplante Aktionen. Analysieren Sie nach jedem Gespräch positiv beziehungsweise eher negativ wirkende Momente. Somit erschließt sich Ihnen ein Optimierungspotential für kommende Bewerbungen. War Ihre Bewerbung dann erfolgreich, sollten Sie wieder selbstreflektiert in die Vertragsverhandlungen und die anschließende Probezeit gehen. Diese bewährte Vorgehensweise hilft Ihnen, mögliche Fallstricke im Vorfeld zu erkennen, um Ihre Probezeit dann erfolgreich zu bestehen.

Foto: privat

TUM Alumnus Franz Kapsner (Diplom Mathematik 1977) war über 25 Jahre als Führungskraft im oberen Management eines internationalen Großkonzerns tätig. Er verantwortete Forschungs-, Entwicklungs- und Personalprojekte. Heute begleitet er mit Wertschätzung und Einfühlungsvermögen Menschen und Gruppen in privaten und beruflichen Veränderungsprozessen.