Voneinander zu lernen

„Mit der Unterstützung meines Mentors bin ich selbstbewusster geworden.“ Jaimie Lu, Mentee

Es ist wichtig, voneinander zu lernen und voranzukommen.
Nicht nur im Berufsleben gehören Kommunikationsgeschick, Kritikfähigkeit und Kooperationsbereitschaft zu den Grundlagen
für ein geglücktes Zusammenleben. Auch in vielen privaten und beruflichen Situationen sind eine gesunde Durchsetzungskraft,
aber auch Einfühlungsvermögen nötig. Bei TUM Mentoring von Alumni für Studierende bekommen die Studierenden Rückmeldungen
zu ihrem Auftreten und zu ihren Zukunftsplänen. Sie lernen, in ihrer Tandembeziehung eigene Ziele zu formulieren
und zu erreichen. Sie können sich besser einschätzen und gewinnen Selbstvertrauen.

Gemeinsam mit einem Studienkollegen gründete Markus Hartinger in der Hochphase der dot-com-Ära den Softwaredienstleister
jambit. Die Firma ist auf anspruchsvolle individuelle Software-Lösungen spezialisiert und beschäftigt inzwischen mehr als 140 Mitarbeiter. Der Vater von drei
kleinen Kindern ist neben der Geschäftsführung für die Bereiche Personal / HR, Finanzen und Infrastruktur zuständig. Er begleitete ein Jahr lang die Studentin Jaimie Lu als Mentor.
Seine Mentee stammt aus der Provinz Jiangsu im Osten der Volksrepublik China und absolvierte an der Shanghai University of Electric Power den Bachelor-Studiengang
Nachrichtentechnik. An der TUM machte sie ihren Master in Elektrotechnik und Informationstechnik.

Was hat Sie beide zu TUM Mentoring geführt?
Hartinger: Ich hatte an der TUM eine gute Zeit und habe viel gelernt. Deshalb fand ich es an der Zeit, meiner ehemaligen Universität etwas zurückzugeben. Außerdem wollte ich den Kontakt zum studentischen Leben wiederherstellen.
Lu: Als ich vor zwei Jahren nach Deutschland kam, kannte ich das deutsche Bildungssystem nicht. Ich wünschte mir einen Ansprechpartner, der mir Orientierung geben kann. Welche Erwartungen hatten Sie an Ihren Tandempartner?
Hartinger: Nachdem ich Jaimies Lebenslauf gesehen habe, wusste ich, dass in unserem Tandem zwei unterschiedliche Kulturen zusammentreffen. Ich wollte mehr
über das Leben, aber auch das berufliche Netzwerken in
China erfahren.
Lu: Ich hatte die Vorstellung, dass ich von Markus lernen könnte, wie man ein Unternehmen führt. Ursprünglich wollte ich nach dem Master in China eine eigene Firma gründen. Aber jetzt habe ich meine Meinung geändert. Ich mag Deutschland und möchte hier bleiben.
Wie war das erste Treffen?
Lu: Wir haben uns im Mai 2012 in Garching getroffen. Ich hatte nicht erwartet, dass mein Mentor so jung ist und in kurzer Zeit einen so großen Erfolg mit seinem Unternehmen hat. Das ist schon ein Ansporn.
Hartinger (lacht): Danke.
Was war der beste Moment beim Mentoring?
Lu: Beim zweiten oder dritten Mal trafen wir uns in Markus‘ Unternehmen. Wir saßen rund zweieinhalb Stunden auf der Dachterrasse des Bürohauses und haben über die
verschiedensten Themen gesprochen. Das war sehr schön.

Was schätzen Sie an Ihrer Mentee?
Hartinger: Jaimie möchte lernen und vorankommen. Ich finde es sehr positiv, dass sie Ratschläge annimmt und umsetzt – wenn sie sie geprüft und als gut erachtet hat.
Was schätzen Sie an Ihrem Mentor?
Lu: Obwohl er als CEO sehr beschäftigt ist, nimmt er sich Zeit für mich. Er motiviert mich immer bei meinen Bewerbungen. Mit Markus’ Unterstützung bin ich selbstbewusster
geworden. Chinesische Eltern sind sehr fürsorglich gegenüber ihren Kindern. Das führt dazu, dass ihnen viele Entscheidungen abgenommen werden. In Deutschland sind
die jungen Leute viel eigenständiger und selbstbewusster. Vor zwei Jahren hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich mich entscheiden würde, hier zu bleiben.
Wie würden Sie Ihre Mentoring-Beziehung beschreiben?
Hartinger: Inspirierend und unterhaltsam. Ich habe sehr viel von Jaimie über die chinesische Kultur und Mentalität gehört, und jetzt würde ich gerne mal nach China reisen.

Mentor Markus Hartinger
TUM Alumni Informatik 1999
Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter jambit GmbH

Mentee Jaimie Lu
Z. Zt. des Mentorats 2012 / 2013: Masterstudium Elektrotechnik und Informatiostechnik Heute nach Masterabschluss: Elektroingenieurin, IFF GmbH

Text: Dr. Evodxia Tsakiridou
Foto: Magdalena Joos